Folk mit Flair lockt 200 ans Ende der Welt
Erstes Folkfestival in Pogum mit überzeugenden Musikern und toller Kulisse
Foto: Hanken
Unter dem Ostfriesen-Banner ließen Otto Groote (Mitte) und seine »Saitenmänner« Matthias Malcher (rechts) und Ralf Strotmann ihre Lieder erklingen.

kah Pogum. Als das »Otto Groote Ensemble« in der zum Konzertsaal umfunktionerten Scheune die ersten zarten Klänge ins Rund schickte, sorgten nicht nur die Strohballen für knisternde Stimmung - Folk vom Feinsten erlebten am Samstag insgesamt an die 200 Zuhörer im Pogum. Hier fand zum ersten Mal ein Festival unter dem Motto »Folk am Deich« statt. Vier Gruppen aus Ostfriesland und den Niederlanden bestritten das Programm, das auf drei Bühnen in und an der Kirche stattfand und Folkvielfalt in ganzer Bandbreite darbot. Besonderes Flair versprühte dabei die alte Gulfscheune hinter der Kirche, in der am Abend der Abschluss des Festivals eingeläutet wurde.

Mit ihrer unverwechselbarer Stimme zog Liedermacherin Linde Nijland die Zuhörer in den Bann. Zusammen mit ihrem Musiker Bert Ridderbos präsentierte sie irische Folksongs. Mit den »Looping Brothers« aus Lengerich gab eine der bekanntesten Bluegrass-Bands Deutschland ihre Visitenkarte am »Endje van de Welt« ab. Mit Fiedeln und Banjos versprühten die Musiker Leichtigkeit und Lebenslust. Feinsinn und Poesie auf Platt verbreitete das Otto Groote Ensemble. Der Liedermacher aus Ostrhauderfehn und seine Musiker luden das Publikum in der Scheune mit pointierten Texten und schwelgerischen Melodien zum Träumen ein.
Die buchstäblich »lokale Note« bei dem Festival setzte der Jemgumer Jan Cornelius mit seinen musikalischen Weggefährten Klaus Hagemann und Christa Ehrig. Klassiker wie »Jonnys lüttje Laden« oder »Störmflood« bildeten einen Teil des Programms. Der Rheiderländer hatte aber auch eine besondere Überraschung im Gepräck: Zum ersten Mal gab das Trio Kostproben aus dem neuen Album »Barnsteen«, das im kommenden Monat erscheinen soll - rechtzeitig zum Start der Kultur-Reihe »Lange Nacht up Platt«, die am 22. Oktober in der Aula der Karl-Bruns-Realschule Station machen wird. Kurz darauf, genau am 5. November, gibt es das neue Cornelius-Programm in der Stadtbücherei Weener zu hören.
Vom Ablauf des Festivals in Pogum zeigte sich Cornelius gegenüber der RZ begeistert: »Ich finde toll, was hier auf die Beine gestellt wurde«.  Die Idee dazu wurde vor knapp einem Jahr geboren - anlässlich des Dollart-Events zum 500. Jahrestag der Cosmas- und Damianflut kam Otto Groote und dem Pogumer Pastor Claus Dreier der Gedanke, einen Liederabend auf die Beine zu stellen. Damals ließ das Groote-Ensemle den stimmungsvollen Abend mit einem Konzert ausklingen.  Auch Linde Nijland nahm daran teil.

Für die Festival-Idee konnte die niederländische Agentur »Noordfolk« als Partner der Kirchengemeinde Pogum gewonnen werden.  Ursprünglich sollte das Event auf der Bohrinsel in Dyksterhusen über die Bühne gehen, doch dieser Ort entpuppte sich bei näherer Betrachtung als wenig geeignet. Also verwandelten sich Kirche und Scheune in Konzertsäle. Ehrenamtliche Helfer der lutherischen Gemeinde sorgten für die Bewirtung.

Das Konzept ging auf: Nicht nur aus dem Rheiderland selbst, sondern auch aus der weiteren Umgebung, wie etwa Bremen, Oldenburg und Norden, kamen Musikfreunde. Die Abgeschiedenheit des Konzertortes ist dabei für viele Beteiligte gerade das Pfund, mit dem man wuchern kann: »Es gibt Leute, die suchen so etwas wie hier geradezu«, sagt beispielsweise Jan Cornelius.
So richtig festlegen mochten sich die Veranstalter am Samstag noch nicht, doch man darf davon ausgehen: Es war nicht das letzte Mal, dass Folk mit Flair ans »Endje van de Welt« gelockt hat...

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